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Faltenwespen von Nordrhein-Westfalen.
Systematik, Verbreitung und Haufigkeit.
(Hymenoptera, Vespoidea; Vespidae und Eumenidae)
Horst Woydak 2004
Die Stellung der Faltenwespen innerhalb der Familie Hymenoptera (Hautflugler) ist in den letzten Jahren intensiv diskutiert worden. Vor allem durch die Untersuchungen von Brother (1974), Brother & Carpenter (1993) wurde auf der internationalen Tagung 1998 in Oppsala (Schweden) die Einteilung der stacheltragenden Hautflugler (Hymenoptera Aculeata) in drei Gro?gruppen vorgeschlagen:
Apoidea: Sphecidae [Grabwespen] und Apidae [Bienen]; Chrysidoidea: Chrysidae [Goldwespen]; Vespoidea: Eumenidae [Lehmwespen], Vespidae [Papierwespen], Formicidae [Ameisen], Mutillidae [Ameisenwespen] und Pompilidae [Wegwespen].
Innerhalb der stacheltragenden Hautflugler (Aculeata [Stechimmen]) bilden die Faltenwespen eine einheitliche Abstammungsgemeinschaft. Die Vorderflugel sind im Ruhezustand fast immer langs gefaltet und die Netzaugen (Facettenaugen) haben an der Stirnseite tiefe, nierenformige Ausbuchtungen; diese Eigentumlichkeit findet sich nur noch bei einigen Grabwespenarten wieder.
In Nordrhein-Westfalen wurden bisher 14 Papierwespen (Vespidae) und 35 Lehmwespen (Eumenidae) nachgewiesen. Von den 14 Papierwespenarten sind drei Sozialparasiten bei Vespiden, Arten ohne Arbeiterinnenkaste. Die anderen 11 Arten leben sozial und bauen einjahrige Staaten auf. Die soziale Papierwespen sind die Wespen schlechthin, sie gehoren zu den popularsten Insekten uberhaupt. Bedingt durch ihre enge Beziehung zum Menschen, ihr Leben in Staaten, ihre kunstvollen Nester, ihre Wehrhaftigkeit und die meist gelbschwarze Korperzeichnung machen sie zu dem was uns beim Wort ?Wespe? einfallt. Anders verhalt es sich bei den Lehmwespen (Eumeniden). Es sind solitar lebende Arten, die zum gro?ten Teil sehr versteckt leben und in viel geringerer Individuenzahl auftreten als ihre sozialen Verwandten. Allen gemeinsam ist die + gelbschwarze Warnfarbung. Gro? ist die Zahl der Nachahmer unter den Insekten; Kafer, Schmetterlinge aber ganz besonders viele der harmlosen Schwebfliegenarten schutzen sich durch diese Korperzeichnung.
Der Stich einer Wespe schmerzt nicht mehr als der eines Bienenstiches. Ein etwas starkeres Brennen oder auch Jucken ist gegenuber dem Bienenstich festzustellen. Selbst der Stich einer Roten Knotenameise (Myrmica rubra), die fast in jeden Garten vorkommt, schmerzt nicht viel weniger. Wespen benutzen ihren Stachel fur die Jagt auf anderen Insekten und zur Verteidigung ihres Staates. Ein Stich erfolgt nie grundlos, so auch bei Honigbienen (Apis mellifera), die den Stachel nur zur Abwehr benutzen. Im Sommer wenn die Zahl der Arbeiterinnen eines Staates immer mehr zunimmt kann es stellenweise zu starken Belastigungen durch die nach Futter suchenden Arbeiterinnen kommen. Es sind allerdings nur zwei Arten (Vespula germanica und vulgaris) und auch gleichzeitig die potentesten der Sippe, die im menschlichen Wohnbereich besonders nach zuckerhaltigem suchen, und damit alle anderen Arten in Verruf bringen. So mussen haufig die fast harmlosen und niemals lastig werdenden anderen Arten darunter leiden.
Grundsatzlich kann bei der Beurteilung eines Wespenvolkes folgende Faustregel gelten: Nester die in der Erde angelegt sind oder in vollig dunklen Raumen, gehoren fast immer den beiden Arten Vespula germanica oder vulgaris an; auch die sehr lange Flugzeit (bis Anfang November) ist ein Indiz. Nester ausserhalb geschlossener Raume, in Gestrauch, am Boden, an Gebauden, in ma?ig hellen Stallen oder auf Dachboden, in Vogelnistkasten usw. konnen fast immer den anderen Arten zugeordnet werden. Die Flugzeit endet bei diesen Arten schon Ende August.
Das Wissen uber die Verbreitung und Haufigkeit der Faltenwespen-Arten in Nordrhein-Westfalen ist das Ergebnis beobachtender und sammlerischer Aktivitaten der letzten 100 Jahre. Es lag Sammlungmaterial aus Museen und Privat vor. Bedanken mochte ich mich bei allen, die mir ihre Daten bereitwillig zur Verfugung stellten. Eine Zusammenfassende Darstellung ist 2006 in den Abhandlungen aus dem Westfalischen Museum fur Naturkunde unter dem Titel -Hymenoptera Aculeata Westfalica (Die Faltenwespen von Nordrhein-Westfalen) Familia: Vespidae und Eumenidae- erschienen.
Das Progamm Cartographie Fauna-Flora (CFF) der Universitat de Mons-Hainaut (Belgien) diente zur Herstellung der Karten und zur Verarbeitung der Datenbank im CFFedit.
a) Museumssammlungen: FMW= Fuhlrott-Museum Wuppertal; LMM= Landesmuseum Munster; NMB= Naturkundemuseum Bielefeld; ZIK= Zoologisches Institut der Universitat Koln.
b) Privatsammlungen: Dr. Klaus Colln, Koln; Dr. Michael Drees, Hagen; Hans Dudler, Leopoldshohe; Dipl. Biol. Jurgen Esser, Dormagen; Renate Freundt, Wesel; Markus Fuhrmann, Kreuztal; Hans-Joachim Grunewald, Arnsberg; Jurgen Illmer, Alpen/Wesel; Andrea Jakubzik, Leverkusen; Dr. Michael Kuhlmann, Munster; Prof. Dr. Karl Ernst Lauterbach, Bielefeld; Heino Otten, Kamen; Werner Schulz, Bielefeld; Prof. Dr. Klaus & Lisa Standfuss, Dortmund; Dipl. Biol. Michael Steven, Munster; Dipl. Biol. Christian Venne, Bielefeld; Oberstudiendirektor a.D. Heinrich Wolf, Plettenberg; Horst Woydak, Hamm.
c) Gewahrsleute: Erwin Bock, Lunen; Dipl Biol. Volker Fockenberg, Dorsten; Bernhard Jacobi, Oberhausen; Rolf Kirch, Beverungen; Dieter Kosmeier, Dieter Reckfort und Konrad Schmidt (NABU-Hornissenschutz) Munster; Dr. Uwe Schlichting, Halle; Holger Sonnenburg, Hoxter; Dr. Heinrich Terlutter, Munster; Dipl. Biol. Katharina Tumbrinck, Munster.
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